große Show mit Shakespeare als special guest: Robert Wilsons "Shakespeares Sonette" im BE

Da gibt´s kunst-handwerklich nichts zu meckern: "Shakespeares Sonette" ist erstklassig gemachtes Theater, das darauf angelegt ist, nahezu jeden Typus halbwegs gebildeter Zuschauer zu erfreuen. Und genau da liegt das Problem. Ich habe als Konsument kaum irgendeine Arbeit zu leisten; falls ich für irgendetwas zu doof sein sollte, wird´s mit höchster Kunstfertigkeit flink unter die Kategorie "lässlich" einsortiert. Die Show braucht den Zuschauer nicht, nur seine Zustimmung.

 

Die darstellerischen Leistungen sind von erlesener Qualität, das Licht leuchtet wundervoll, die Schatten tanzen anmutig, der Band steht ein recht reinlich intonierendes Streichquartett (Isang Quartett) zur Seite. Die z.T. aufwendigeren Bühnenumbauten werden von Georgette Dee locker wegmoderiert, auf Scherze wie "oh, das ist Hollywood!" (nach Klingel aus dem Off, d.h.: Umbau beendet) reagiert das Publikum begeistert.

 

Die Musiken richten kaum Schaden an (für jeden was dabei, für fast niemand etwas Ärgerliches), auch laut genug ist´s, selbst für Zuhörer, die sich durch lautheitsoptimierte Musik im sonstigen Leben schon einen Teil ihrer Hörfähigkeit weggeblasen haben. (Natürlich hört man auch die Texte der wirklich gut sprechenden Schauspieler nicht von der Bühne, sondern von der dem jeweiligen Zuhörer nächstpositionierten Lautsprechergruppe.)

 

Wirklich großes Vergnügen bereiten aber doch die körpersprachlich teils köstlich abstrus agierenden Darsteller; insbesondere Jürgen Holtz (Elisabeth I & II), Ruth Glöss (Fool), Georgios Tsivanoglou (Cupid), Katharina Susewind (Boy); und natürlich beeindruckt Inge Keller als Sheakespeare. Das gesamte Ensemble überzeugt mit Witz und Präzision.

 

(Fast) alles großartig gemacht, gekonnt dargeboten, weitgehend unschädlich und medienaffin stromlinienförmig. Vielleicht sollte man nicht vorher Marthalers "subpolares Basislager" (s.u.) gesehen und gehört haben. Tja, und der special guest Shakespeare? Bei so schlagkräftigem Theaterhandwerk hätten es auch Texte von Bob Dylan, den Beach Boys oder Kafka sein können, die Show hätt´s nicht gestört.

 

All dessen müd ...

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